"Dunia ist ein Geheimnis!"

 

 

  

Das Reich des Hohen Himmels (Anführerin: Fenina)

 

„Was ist los!? Nun sagt schon!“ Sie erschrak selbst, dass sie es wagte, die Stille zu brechen. Ihre Stimme hallte dumpf im weiten Wald wider. Selma drehte sich zu ihr und schaute sie direkt an. Ohne zu blinzeln. Fenina schluckte. „Es gibt nicht nur die fünf Reiche, von denen du gerade gehört hast. Es gibt noch eins, das Reich des Hohen Himmels, aber es ist führungslos. Keine Hexe hatte bis jetzt Elemente, die mächtig genug dafür waren.“ Sie machte eine Pause und holte Luft. Immer noch regte sich nichts und niemand. „Man wartete auf eine Hexe mit den Elementen Wetter und Erde …“

Das Reich des Hohen Himmels liegt weit südlich in Dunia in einer Felsspalte, die nicht nur von gewaltiger Breite, sondern auch von herausragender Breite ist, die es ihren Bewohnern möglich machte, ihre Wohnungen und Unterkünfte in den Fels hineinzuschlagen. Jedes Jahr, welches das Reich bestand hatte -  und das ist eine lange Zeit - vermehrten sich die Wohnungen, wuchsen, und vernetzten sich an den schmalsten Stellen der Schlucht sogar mit überhängenden Brücken. Heute wirkt das Reich des Hohen Himmels nicht armselig mit aus dem Fels gehauenen Nischen, sondern stattlich, mit individuellem Baustiel.

Folgt man der Felsspalte nach Westen verbreitert sie sich und schwillt zu einem Platz an, der groß genug ist, um einen Markt darauf aufzubauen und über ihm, als würde es über alles wachen, thront das Haus der Anführerin, welches zu unserer Zeit Fenina mit ihrem Buttler Paul, den drei Leibwächtern Athur, Steven und Tony und ihrer Stylistin sowie einigen Wüchslingen bewohnt.

 

Das Reich der Dunklen Schatten (Anführerin: Walpurga)

 

Beim Näherkommen fielen Fenina noch weitere rote Dächer auf, die zu ähnlichen Hütten wie der von Walpurga gehörten. So als hätte man eine Schüssel Körner verstreut und bei jedem Korn ein Haus gebaut, so beliebig lagen sie zwischen den Bäumen. Gerade als sie durch die Baumwipfel gestoßen waren, schoss etwas Weißes aus dem Wald hervor und rannte auf die Hütte zu. Fenina erkannte das Einhorn, auf dem sie mit Walpurga geflogen war, als sie sie von den Menschen hierher geholt hatte. Das Tier wieherte laut und warf den Kopf herum, um den Drachen Gefahr abschätzend beim Landen zuzusehen. Mit wackeligen Beinen rutschte Fenina von Rubina herunter und nahm gleich einen gewissen Sicherheitsabstand ein. Evulet folgte ihr etwas eleganter und lief an ihr vorbei auf das Einhorn zu, als sich die schwere Holztür am Eingang öffnete und eine zierliche Hexe mit schwarz gelocktem Haar und olivgrünem Umhang auftauchte: Walpurga stemmte die Hände in die Seiten und empfing sie mit einem Lächeln.

 

In einer schützenden Kurze grenzt der Silberbach das Reich der Dunklen Schatten vor der unbekannten Weite ab und staut sich genau neben dem Haus der Anführerin zu einem überschaubaren See, über dessen sich Trauerweiden ins Wasser neigen. Die hölzernen Hütten, der lichte Wald und er See bilden ein idyllisches Bild, in welches man sich in dunklen Zeiten gerne zurückziehen möchte und welches so gar nicht zu dem düsteren Namen des Reiches passt. Doch hinter der Idylle birgt sich unglaubliche Kraft, die vor allem auf Schnelligkeit und Reaktionen beruht. Träumer wie Einhörner, langbeinige Rehe oder Taubenvögel mit silbrigem Gefieder stehen ihren Herren und Herrinen selbst in Schlachten bei Seite und sind bereit für ihre Landschaft zu kämpfen.

 

 

Das Reich der Eisblumen (Anführerin: Amanda)

Das Reich der Eisblumen liegt im Norden Dunias in dem ältesten Teil des Waldes, wo die Stämme der Eichen so dick sind, dass keine zehn Kinder sie umringen können. In der größten und ältesten Eiche, die einst ein Blitz getroffen hat, lebt Amanda. Der Wald dahinter ist besiedelt mit Baumhäusern und Hängebrücken in schwindelerregender Höhe, wo deren Bewohner ihren Elementen nahe sind. Die Verbundenheit zur Natur und die Schlichtheit, mit der Leben möglich ist, wird schon allein durch die Art wie Amanda und ihr Reich wohnen verdeutlicht. Ihre Behausungen sind weder aus stein, noch aus Lehm, sondern aus Holz, welches sie teils nicht einmal verändert haben um es zu bewohnen. Aus dieser Schlichtheit schöpfen sie ihre Kraft und die Fähigkeiten, die e Amanda sogar ermöglichen Sterbende ins Leben zurück zu hohlen.

 

Das Reich der Grauen Winde (Anführerin: Lorinde)

Seine Lage ist weit im Westen Dunias, wo sich hinter Lorindes ordentlichem Haus die Wohnungen der Hexen und Magier aus dem Reich der Grauen Winde anschließen. Vom Reich des Ewigen Feuerballs aus muss ein schmales Stück der weiten Ebene überquert werden, bis man den Silberbach erreicht, hinter dem nicht weit Lorindes Reich zu finden ist.

 

Das Reich der Weiten Wüste (Anführerin: Ornella)

Ornellas Reich liegt von der Biegung des Silberbaches  - der an dieser Stelle zu einem reißendem Fluss geworden ist - östlich, wo der Erdboden Sandiger und die Temperatur höher wird. Die Behausungen des Volkes, welches dort wohnt, sind aus Lehm rundlich gebaut, was aber keinen Falls plump sondern viel mehr kreativ wirkt. Dahinter erstreckt sich das ausgedehnte Feld der unbekannten Weite...

 

Das Reich des Ewigen Feuerballs (Anführerin: Evulet)

Mit dem kleinen Waldstück im Westen Dunias beginnt das wohl geheimnisvollste Reich. Evulets Villa - ein hoch aufragendes Haus in schmalem Baustiel - ist das Tor ins Reich des Ewigen Feuerballs, welches dahinter mit einem gepflastertem Platz und einem Brunnen in dessen Mitte beginnt.

Eine Art angespannter Geschäftigkeit liegt über diesem Volk, welches sowohl von den Bewohnern als auch von dem zwiespältigem Verhältnis zu den anderen Reichen kommen mag. Die Hexen und Magier, die dort leben, sind von sich weit mehr überzeugt, als die der anderen Reiche. Die Bewegungen, mit denen sie schon die einfachsten Dinge verrichten, grenzen an übermenschliche Eleganz, ihre Blicke sind durchdringender und kälter als Eissplitter und ihr Stolz auf das was sie sind und haben ist mächtiger als so manche Magie. Ihre gemeinsamen Eigenschaften, die über die Elemente Feuer und Wasser hinausreichen, schweißen dieses Volk fest zusammen, machen es aber gleichzeitig auch zu einem ernst zu nehmendem Gegner, der wie ein Vulkan jeden Moment ausbrechen könnte. Dieser Tatsache sind sich auch die anderen Anführerinnen bewusst, jedoch wagte bisher keiner gegen die wachsende Macht dieses Reiches vorzugehen, was ihnen in Zukunft zum Verhängnis werden sollte. Das Reich des Ewigen Feuerballs hat keinen so festen Platz in der Kette der Reiche, wozu sicherlich seine düstere Vergangenheit beigetragen hat.

 

Das Siebte Reich (Anführerin: Dracona)

 Das Reich des Ewigen Feuerballs war schon immer das mächtigste gewesen – dunkler als die der anderen Reiche, wie man sagt. Es gibt eine Hexe; sie war die Anführerin, die das Reich des Ewigen Feuerballs groß gemacht hat; die anders ist als alle anderen Hexen waren: mächtiger, stärker, dunkler und unauffindbar. Eines Tages verschwand sie aus ihrem Reich und manche sagen, sie hätte einen Teil ihres Volkes mitgenommen und ein siebtes Reich gegründet, doch keine der ursprünglichen Anführerinnen ist mehr am Leben, alle starben durch Krankheiten oder Verletzungen, keines natürlichen Todes. …“

Walpurga kratzte sich am Kinn als versuchte sie ein kniffliges Rätsel zu lösen.  Fenina war nicht ganz wohl zumute. Die Sache hatte einen Haken, das spürte sie.

"Wie hieß diese Hexe?" , flüsterte sie und schaute Walpurga über den Tisch hinweg an. Die Anführerin schaute ihr ohne zu blinzeln in die Augen.

„Dracona“, sagte sie. Einen Moment lang blieb der Name in der Luft hängen, wurde dann jedoch von einem Windhauch verweht, als wäre er nie genannt worden.

Das Siebte Reicht galt nicht allein aus Unwissenheit lange als Mythos. Ein weiterer - wahrscheinlich entscheidender - Grund dafür war, dass kein Dunier es je wahr haben und dieser Geschichte Glauben schenken wollte. Zu große Ungewissheit und Angst war damit verbunden, doch genau das war es, was die Anführerin des Siebten Reiches erreichen wollte! Sie ließ die Zeit den Mythos über sie weiterspinnen und lehnte sich in ihrem geheimen Reicht zurück, während ihre Macht und ihr Volk fast von alleine wuchs.